Delicious verpasste Chance bei der Integration von Twitter

Ohne Twitter geht momentan gar nix. Das haben wir gestern gemerkt. Besonders schön hat es Michael Friedrichs in seinem Beitrag “Serverangriff: DOS-Attacke legt Twitter lahm” auf basicthinking.de beschrieben:

Irgendwie komme ich mir vor, als wenn ich in die Steinzeit des 21. Jahrhunderts zurück versetzt worden wäre. Seit 15.30 Uhr ist das Twitter-Netzwerk nicht mehr erreichbar und ich habe das komische Gefühl, nicht mehr am Puls der Zeit Schlagzeilen zu sein. Ein bisschen hilflos komme ich mir vor, so ganz ohne meine Tweets. Was mir bleibt, sind ein Haufen Lesezeichen, ein überfüllter und schon länger nicht mehr genutzter RSS-Feedreader sowie ein paar Postfächer für meine E-Mail-Accounts. Doch dort herrscht im Vergleich zu meinem Twitter-Konto regelrecht tote Hose.

Während ich persönlich Delicious 2007 extrem viel genutzt habe, ging die Benutzung mit zunehmender Aktivität auf Twitter entsprechend zurück. Meine Inbox bei Delicious habe ich seit Wochen nicht angeschaut. Obwohl dort (wie bei Twitter auch) alle meine Kollegen einen Delicious-Account besitzen.

Anscheinend hat auch Delicious gemerkt, das Twitter eine gewaltige Rolle beim Weitergeben von Links spielt und hat endlich Twitter in den eigenen Dienst integriert. Meines Erachtens aber nur halbherzig.

Natürlich ist es toll auf der neuen Startseite zu den freshest bookmarks auch einige Related Tweets zusehen. Auch kann man jetzt (wie schon gestern gebloggt) Bookmarks aus dem Eingabeformular twittern. Das ist mir einfach nicht radikal bzw. schnell genug. Das Eingabeformular ist leider immer ein bis zwei Klicks entfernt. Warum gibt es nicht einen Twitthis-Button unter jedem Link? Warum bietet der hauseigene URL-Shortener icio.us keine Klick-Statistik, wie zum Beispiel bit.ly oder auch tr.im? Leider muss man sein Twitterpasswort herausrücken, denn komischerweise beinhaltet die Twitterintegration kein OAuth. Ok, ich weiß das sind fast alles Kleinigkeiten, die Delicious natürlich relativ schnell nachliefern könnte.

Jetzt aber zu meinem eigentlichen Anliegen: Twitter eignet sich hervorragend zum Verteilen von Links, zum Speichern ist es meiner Meinung nach aber eher unbrauchbar. Ich habe gerade eben einmal nachgeschaut. Ich habe derzeit fast 1000 Favoriten bei Twitter. Ich fave viele Tweets die Links zu Artikeln beinhalten, die ich später gerne lesen möchte. Oder ich lese auf dem iPhone und fave, damit ich den Link später auch wiederfinde. Bei mehreren Hundert Favoriten, deren Sortierung lediglich über Chronologie erfolgt, ist es aber ziemlich schwer einen alten Link herauszusuchen. Aber genau dieses Nachhaltigkeitsproblem von Twitter hätte sich Delicious zu Nutzen machen können, ja müssen.

Zusätzlich zur Inbox hätte man eine Favbox einrichten können. Die alle Links aus meinen Twitter-Favoriten speichert. Als Beschreibungstext hätte man den Tweettext verwenden könnnen. Und die Tags könnte man bei bedarf von anderen Delicioususern für den jeweligen Links übernehmen. Das System könnte man natürlich auch in umgekehrter Reihenfolge einrichten. Alle Links die ich bei Twitter poste, könnten ebenso in einer Art Postausgang bei Delicious auftauchen. Es gibt zwar ein Firefox-Addon namens Tweecious, das diese Funktion bietet, aber ich finde das könnte Delicious ruhig selber übernehmen. Damit würde man eine Schwachstelle von Twitter nutzen und nicht wie jetzt (bei den related Tweets) sich in Abhängigkeit von Twitter begeben.

P.S. Übrigens finden nicht alle die Twitterintergration gut: Deliciousgründer, Joshua Schacter, hat am 4. August den folgenden Tweet abgesetzt: “i hate the delicious twitter integration (sharing != saving) but i like the new search a great deal.”